Ich will Mensch sein!

In diesem Projekt widmen wir uns Musik von Komponisten, deren Leben geprägt ist von den Geschehnissen rund um die Weimarer Republik und dem von den Nationalsozialisten sogenannten „Dritten Reich“. So erklingt das Streichquartett von Hans Heller aus 1928, das Streichtrio von Gideon Klein aus 1944 und das Streichsextett von Erwin Schulhoff aus 1924. Sie alle wurden wegen ihres jüdischen Hintergrunds verfolgt, dabei überlebten Gideon Klein und Erwin Schulhoff den zweiten Weltkrieg nicht. Damit wollen wir dazu beitragen, dem Vergessen entgegenzuwirken, sodass diese und weitere Komponisten der sogenannten verfemten Musik ihre enorm wichtige Stellung in der Musikgeschichte wieder einnehmen können. Das Werk von Hans Heller erhält in diesem Projekt eine besondere Stellung, da es sich bei unserer Premiere um die erste Aufführung seit den 1930er Jahren, möglicherweise sogar um die erste Aufführung überhaupt, handelte. Die Werke dieses in Vergessenheit geratenen Komponisten, der später auch ein „Requiem für den Unbekannten Verfolgten“ schuf, wurden erst in den letzten Jahren durch das tatkräftige Engagement von Wolfgang Eichwede (dem Neffen des Komponisten) und des Pianisten Jascha Nemtsov erschlossen. Auch für dieses Projekt haben wir eine Gastmusikerin eingeladen: die britische Bratschistin Connie Pharoah.
„bin nicht Bürger, nicht Jude, nicht Christ, – ich will Mensch sein! Kunst ist Handwerk, Leben ist aber Kunst, jede bewusste Verfeinerung ist Zustand. Jeder Zustand ist Lächerlichkeit. – Resultat ist = 0.0!!! Das moralische Plus ist nur „Man Selbst“!!!“ (Erwin Schulhoff in einem Brief an Arnold Schönberg, 1919)
H. Heller (1898-1969): Streichquartett, Op. 6
I. Allegro (ma non troppo)
II. Aria con variazioni. Adagio
III. Molto Allegro
G. Klein (1919-1945): Streichtrio
I. Allegro
II. Lento (mit Variationen)
III. Molto Vivace
E. Schulhoff (1894-1942): Streichsextett
I. Allegro risoluto
II. Tranquillo – Andante
III. Burlesca. Allegro molto con spirito
IV. Molto adagio
