Oh schmerzlich Schicksal

Im Zentrum dieses Projektes steht das wohl berühmteste Stück für die Streichquintettbesetzung mit zwei Celli: das große Quintett in C-Dur von Franz Schubert – ohne Zweifel eines der beeindruckensten Kammermusikwerke überhaupt. Bei der Frage, was man wohl einem solchen Werk überhaupt gegenüberstellen kann, sind wir einen eher ungewöhnlichen Weg gegangen, indem wir fünfstimmige Madrigale von Carlo Gesualdo und Claudio Monteverdi zusammengestellt haben, welche dann mit einer Motette von Giovanni Pierluigi da Palestrina die vorangehende Programmhälfte bilden. Die Idee, Vokalwerke aufzuführen ist dabei keinesfalls aus der Luft gegriffen – in der musikalischen Renaissance gab es fast ausschließlich Vokalwerke, welche immer auch als Instrumentalstücke gedacht waren. Der Titel „Oh schmerzlich Schicksal“ ist dabei einem Madrigal Gesualdos entnommen und spannt so den Bogen zu dem Quintett von Schubert, welches er 1828 mit bereits resignierendem Weltverständnis wenige Monate vor seinem Tode schrieb.

„Freylich ist’s nicht mehr jene glückliche Zeit, in der uns jeder Gegenstand mit einer jugendlichen Glorie umgeben scheint, sondern jenes fatale Erkennen der miserablen Wirklichkeit, die ich mir durch meine Phantasie (Gott sey’s gedankt) so viel als möglich zu verschönern suche.“ (Franz Schubert in einem Brief an seinen Bruder Ferdinand, 1824)


C. Monteverdi (1567-1643): La piaga c’ho nel core
C. Gesualdo (1566-1613): Mille volte il dì moro
C. Monteverdi: A un giro sol de‘ begl‘ occhi
C. Gesualdo: Moro, lasso, al mio duolo
C. Gesualdo: Già piansi nel dolore
C. Monteverdi: Longe da te cor mio
G. P. d. Palestrina (1525-1594): Lamentationum Ieremiae Prophetae Liber Quartus, Lectio III

F. Schubert (1797-1828): Streichquintett in C-Dur, D. 956
I. Allegro ma non troppo
II. Adagio
III. Scherzo. Presto – Trio. Andante sostenuto
IV. Allegretto